Kopfweiden

Kopfweide in voller Pracht

Kopfweidenschnitt dient der Erhaltung einer historischen Landnutzung. Das „Schneiteln“ stellt nicht nur aktive Landschaftspflege dar, es ist darüber hinaus ein konkreter Beitrag zum praktizierten Artenschutz vor Ort. Die Kopfweide ist eine von Menschenhand geschaffene Kulturform. Erst durch den wiederholten Beschnitt finden sie zu ihrer eigentümlichen Form. Die schnell nachwachsenden und extrem biegsamen Zweige und Äste lieferten über Jahrtausende Material für die unterschiedlichsten Zwecke. So wurden mit den Weidenruten Zäune, Körbe und Fischreusen geflochten, Weinstöcke angebunden, Fachwerkhäuser ausgefacht und Brennholz gewonnen. Für die Korbflechterei nutzbare Weidenarten sind z.B. die echte Korbweide und die Purpurweide. Diese Strauchweidenarten werden kurz gehalten. Der Stamm erreicht nur mäßige Stärke. Mächtige landschaftsprägende Kopfweiden sind aus der Silberweide. Heute werden Kopfweiden kaum noch wirtschaftlich genutzt. Aufgrund ihres Wertes für die Tierwelt und als Zeugen einer alten Wirtschaftsform werden auch im GC St. Leon-Rot, Kopfweidenbestände durch regelmäßigen Pflegeschnitt erhalten. Auch wenn manch einem der Schnitt wie ein Kahlschlag erscheint, ist diese Pflege wichtig, da die Bäume sonst auseinander brechen. Regen, Frost und Pilzbefall sorgen dafür, dass sich in den  Kopfweiden Höhlungen ausbilden. Sind diese Höhlen groß genug, bieten sie vielen Vögeln einen optimalen Nistplatz. Hierzu zählen Weidenmeise, Sumpfmeise, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper und der Steinkauz, der u.a. durch fehlende Kopfweidenpflege an den Rand der Ausrottung gebracht wurde. Neben den Vögeln finden auch Fledermäuse, wie der Abendsegler, in den knorrigen Stämmen eine sommerliche Bleibe. Der Wert der Kopfweiden zeigt sich auch  in der hohen Zahl an Insektenarten, die diesen Lebensraum aufsuchen. Zwei Käfer, die so stark von der Dezimierung der Kopfweidenbestände bedroht sind, dass dies die Hauptursache für ihr Bestandsschrumpfen ist, sind der Weber- und der Moschusbock. In einer wissenschaftlichen Erhebung wurden 162 verschiedene Schmetterlingsarten und 90 Käferarten gezählt. Die Blattwespen legen ihre Eier in Blättern der Weide ab, zu erkennen ist dies an den roten Gallen, in denen die Larven leben. Die schon sehr früh im Jahr aufblühenden „Kätzchen“ der Weiden bieten den Insekten im zeitigen Frühjahr drei unterschiedliche Nahrungsquellen: Das nahrhafte grüne Gewebe vor allem der Kätzchen-Spindel, die Pollen der männlichen“ Kätzchen“ und den  Nektar der weiblichen Blüten, der in speziellen Nektardrüsen produziert wird. Alle diese Eigenschaften machen die Kopfweiden zu einem wichtigen Biotop in der Kulturlandschaft.  Kopfweiden sind ein Biotop für sich und daneben eine echte „Augenweide“ unserer Kulturlandschaft.

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